Mittwoch, 27. Mai 2020

Gesundmacher Herz

Der Mediziner Markus Peters schreibt in seinem sehr gut zu lesenden Buch viel Interessantes darüber, wie das Herz unseren gesamten Körper reguliert und steuert. Das Buch enthält viele gute Bilder,  Hinweise zu zusätzlicher Literatur ("zum Weiterlesen und Vertiefen") sowie auch praktische Übungen, die man gleich selber umsetzen kann. Sehr gut gefällt mir auch das "nicht-missionarische" von Peters. Gleich zu Beginn (auf S. 12) stellt er klar: "Das eine, einzig wahre Weltbild gibt es schlicht nicht!
Was will uns all das nun für das Thema dieses Buchs sagen? Die
Antwort lautet: Es gibt auf alles in dieser Welt unterschiedliche Sichtweisen
– und jede Sichtweise hat ihre Berechtigung."


Peters beschreibt die 4 Kommunikationswege zwischen Herz und Gehirn (neurale, biochemische, biophysikalische und energetische) gut verständlich und zeigt auf, dass Herz und Gehirn durchaus als gleichberechtigte Partner kommunizieren. Das Herz nimmt erwiesenermassen sogar direkten Einfluss  (mittels Herzfrequenzvariabilität) auf unser Gefühlshirn. Peters zeigt auf: "Wenn wir lernen, mithilfe der Herzfrequenz-Variabilität auf unser Herz zu „hören“, dann können wir im Weiteren auch lernen, bewusster mit unseren Emotionen umzugehen."

Auch der Chronobiologie und der Chronomedizin widmet Peters das Kapitel 4 in Form eines Gastbeitrages von Prof. Dr. Maximilian Moser. Weiter hinten im Buch zeigt dann Peters auf, dass Krankheiten oft infolge "gestörter oder unnatürlicher" Lebensryhthmen entstehen (Kapitel 11-13).

Das Buch zeigt anschaulich auf, wie sich unser vegetatives Nervensystem in "harmonische Balance" bringen lässt: "Gelingt es jedoch, die Herzfrequenz-Variabilität nachhaltig in einen regelmäßig schwingenden Zustand zu bringen, dann wird das Herz in die Lage versetzt, direkt positiv in den ganzen Körper hineinzuwirken."

Natürlich kommt auch Peters auf die Quantenphysik und Sheldrakes morphogenetische Felder zu sprechen und schreibt (S. 91): "Immer mehr renommierte Physiker (wie Hans-Peter Dürr, früherer Direktor des Max-Planck-Instituts) gehen deshalb davon aus, dass es ein solches, letztlich das gesamte Universum umspannendes und verbindendes „universales Feld“ gibt (bereits Max Planck selbst sprach in diesem Zusammenhang von einer „Matrix“).
Gibt es dieses quantenphysikalische universale Feld tatsächlich, dann stützt dies selbstverständlich die Sheldrake’sche Theorie der morphischen Felder entscheidend."

Interessant finde ich seinen Vergleich zwischen Herzdenken und Kopfdenken (ab S. 107): "Kopfdenken ist also eine weitverbreitete und oft auch durchaus erfolgreiche Planungsmethode. Sie beruht allerdings darauf, Erfahrungen aus der Vergangenheit zum alleinigen Maßstab für die Beurteilung der Zukunft zu machen. Das kann erfolgreich sein, es engt aber auch die Möglichkeiten, Zukunft frei zu gestalten, erheblich ein. [..] Das Herzdenken hingegen geht einen ganz anderen Weg. Das Herzdenken ist nicht auf die Analyse des Vergangenen ausgerichtet, sondern es denkt von der Zukunft, also vom Ziel her, das ich erreicht sehen möchte. [...] Herzdenken analysiert nicht, es synthetisiert: Es sieht Zusammenhänge – statt Vergangenes immer weiter aufzuspalten und
in seine Einzelteile zu zerlegen. [..] Verzeihen zu können setzt die Fähigkeit zum Herzdenken voraus.
Oder treffender gesagt: Es setzt voraus, dass ich das Herzdenken zulasse, dass ich von der Zukunft her denke, statt (schlechte) Erfahrungen aus der Vergangenheit in ständig wiederholtem, gedanklichem Kreisen immer neu zu bewegen und zu analysieren. [..] Wer also – dem Prinzip des Herzdenkens folgend – Gefühle der Liebe, des Verstehens, des Verzeihens aussendet, vermag damit bei sich selbst und in seiner Umgebung positive Wirkungen zu erzielen, die auf keine andere Weise entstehen könnten."

Weiter widmet Peters ein ganzes Kapitel den erstaunlichen Zusammenhängen zwischen Herz - Erde - Sonne und schreibt auf S. 131: "Sicher ist aber schon jetzt, dass unsere Gesundheit und auch unser Herz vom Erdmagnetfeld und damit von der Sonne intensiv beeinflusst werden."

Für mich neu und sehr faszinierend war Peters Aussage, dass das Blut in der frühen Embryonalentwicklung in den Blutseen der sich entwickelnden Plazenta bereits zu pulsieren beginnt, bevor das Herz als Organ überhaupt entstanden ist: "Diese sich verbindenden Blutinseln beginnen zu pulsieren – und zwar ohne jede Verbindung zum späteren Herzen (das es als Organ zu diesem Zeitpunkt ja auch noch gar nicht gibt). Und aus dem pulsierend strömenden Blut heraus bilden sich dann die ersten Gefäße. [...] Es ist also eine Tatsache, dass das sich entwickelnde Blut gleichsam „von alleine“ zu pulsieren beginnt, und dass dieses Pulsieren nicht etwa erst mit der Ausbildung und dem „Anschluss“ des Herzens an
die ersten Blutgefäße anfängt."

Samstag, 21. Dezember 2019

Am Arzt vorbei geht auch ein Weg

Wenn sich eine Professorin für Frauenheilkunde, Medizinische Genetik und Psychotherapie und eine mehrfache Bestsellerautorin für ein gemeinsames Buchprojekt zusammen tun, tönt dies sehr vielversprechend. Und das Buch von Prof. Jael Backe und Alexandra Reinwarth erfüllt die Erwartungen. Die beiden Frauen zeige Wege der Selbstheilung auf und integrieren in ihrem Buch auf leicht verständliche Art und Weise neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxistauglichen Tipps für Laien. Sie liefern beispielsweise auch einige hilfreiche Checklisten, wie beispielsweise die nachfolgenden zehn Indizien für Quacksalberei aus dem Kapitel "Ist legitim, was hilft? - das Esoterik-Problem":

- Quacksalberei kommt nur selten schrullig daher und beruft sich oft auf wissenschaftliche Quellen
- Quacksalber erzählen oft, dass die meisten Krankheiten ernährungsbedingt sind und durch Nahrungsergänzungsmittel geheilt werden können.
- Oft sind Anekdoten, Empfehlungen und Referenzen erfunden oder die Wunderheilungen beruhen darauf, dass die meisten einmalig auftretenden Krankheiten im Laufe der Zeit von allein verschwinden
- Quacksalber verwenden oft pseudomedizinische Begriffe wie "entgiften", "chemisch ins Gleichgewicht bringen" oder  "nervliche Energie"
- Quacksalber sind oft Anhänger von paranoiden Verschwörungstheorien
- Quacksalber verfügen oft über superwirksame "Geheimkuren", die jedoch geheim gehalten werden.
- Kräutermedizin ist längst nicht immer sanft, natürlich und nebenwirkungsfrei
- Oft wird ein Produkt angepriesen, das für eine Vielzahl von völlig unterschiedlichen Krankheiten wirken soll. So ein Allheilmittel oder eine Wunderkur gegen jede Krankheit gibt es aber nicht.
- Quacksalber fordern oft auf "selber zu denken" und  nicht den Erkenntnissen der Wissenschaft zu trauen
- Oft nützen Quacksalber die Verzweiflung von Patienten aus und machen unrealistische Heilsversprechen.

Das Buch ist voller konkreter Tipps, die man in der Übersicht gleich im Inhaltsverzeichnis entnehmen kann. Einen Blick ins Buch kriegt man hier.

Toll finde ich auch die vielen Fussnoten zu wissenschaftlichen Publikationen oder Bücher, auf die sich die aufgeführten Tipps oder die beschriebenen Sachverhalte beziehen. So kann man sich immer an der Originalquelle selber informieren. Auch Fachbegriffe werden in diesen Fussnoten leicht verständlich erklärt.

Das Buch beinhaltet derart viele gute Tips und konkrete Ratschläge, dass es eigentlich in jedes Büchergestell gehört, von wo man es möglichst regelmässig immer wieder hervorholen und lesen sollte!

Dienstag, 26. März 2019

Du bist das Placebo

Joe Dispenza hat ein sehr spannendes, gut verständliches Buch unter dem Titel "Du bist das Placebo" geschrieben, das ich allen nur empfehlen kann!


Joe Dispenza stellt schon gleich zu Beginn folgendes Klar: "Die meisten Gene (Schätzungen reichen von 75 bis 85 Prozent) werden durch die Signale aus unserer Umwelt ein- und ausgeschaltet". Er erzählt auch gleich zur Einführung, wie er selber nach einem schweren Umfall sich gegen die von allen Ärzten empfohlene OP entschieden und sich innerhalb von rund 8 Monaten wieder selber durch Visualisierungen und Autosuggestion heilte: "Neuneinhalb Wochen nach dem Unfall stand ich auf und ging in mein Leben zurück - ohne Gipskorsett oder Operationen." Das ist sicherlich sehr bewundernswert und ich hoffe sehr, dass diese Geschichte ebensowenig erfunden ist, wie die vielen anderen "Wunderheilungen", von denen man im Buch ebenfalls lesen kann.

Dispenza führt viele Studien zum Placebo-Effekt auf und zeigt anhand von vielen wissenschaftlich dokumentierten Beispielen, dass die Einstellung eines Menschen einen massgeblichen Zusammenhang mit dessen Gesundheit hat (das ist ja nun wirklich nichts Neues). Auf S. 46 schreibt er sogar "Forscher der Yale-Universität begleiteten bis zu 23 Jahre lang 660 Menschen im Alter von 50 Jahren und älter. Ihre Erkenntnis: Diejenigen mit einer positiven Einstellung zum Älterwerden lebten über sieben Jahre länger als jene, die das Altern eher negativ betrachteten. Die Einstellung hatte auf die Langlebigkeit mehr Einfluss als der Blutdruck, der Cholesterinspiegel, Rauchen, Körpergewicht oder sportliche Betätigung."

Als drei wichtige Komponenten des Placebo-Effekts definiert Dispenza die Konditionierung, die Erwartung und die Bedeutung.

Konditionierung bedeutet z.B. dass wir gelernt haben, dass Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen halfen (zumindest taten sie das jeweils in der Vergangenheit).

Das zweite Element (die Erwartung) kommt ins Spiel, wenn wir begründet etwas antizipieren. z.B. wenn eine Bekannte total begeistert davon erzählt, wie toll diese neuen Tabletten gegen ihre Kopfschmerzen wirkt. Dispenza  dazu: "Das Gehirn aktiviert dabei dieselben Nervenbahnen, als hätte sich unsere Befindlichkeit tatsächlich geändert (als hätte das Medikament die Schmerzen gelindert), und schüttet auch ähnliche chemische Verbindungen in den Körper aus. [...]Dann geschieht tatsächlich, was wir erwarten (keine Schmerzen mehr zu haben), weil Gehirn und Körper aus ihrer Apotheke das Medikament herstellen, das perfekt geeignet ist, unsere innere Befindlichkeit zu verändern."

Nun noch zum 3. Element, der Bedeutung: "Wenn wir einer Handlung eine neue Bedeutung bzw. einen neuen Sinn verleihen, steht eine willentliche Absicht dahinter. Anders ausgedrückt: Lernen und verstehen wir etwas Neues, dann stecken wir mehr bewusste, zielgerichtete Energie hinein." 

Dazu ein eindrückliches Beispiel aus dem Buch. Es handelt sich um eine Studie aus dem Jahr 2007, die die Psychologinnen Alia Crum und Ellen Langer an der Harvard-Universität mit 84 Zimmermädchen durchführten: "In der Studie mit den Zimmermädchen, von der im vorigen Kapitel die Rede war, haben sie ihren täglichen Verrichtungen mehr Bedeutung beigemessen, nachdem sie verstanden hatten, wie sehr sie sich tagtäglich bei der Arbeit körperlich betätigen und wie sie davon profitieren. Sie saugten nicht einfach nur Staub, scheuerten und wischten, sondern trainierten dadurch bewusster ihre Muskeln, bauten Kraft auf und verbrannten Kalorien. Da das Staubsaugen, Scheuern und Wischen mehr Bedeutung hatte, nachdem sie von den Wissenschaftlern über die positiven körperlichen Auswirkungen dieses »Trainings« aufgeklärt worden waren, bestand die Absicht bzw. das Ziel der Zimmermädchen nicht mehr nur darin, ihre Arbeit zu erledigen, sondern auch darin, zu trainieren und ihre Gesundheit zu verbessern. 
Und genau das passierte auch. Die Probandinnen der Kontrollgruppe wiesen ihrer Arbeit diese Bedeutung nicht zu. Sie wussten nicht, wie wichtig ihre Tätigkeit für ihre Gesundheit ist, und deshalb profitierten sie auch nicht so davon – obwohl sie genau die gleichen Tätigkeiten verrichteten."

Dispenza schreibt in seinem Buch über Psychoneuroimmunologie, Epigenetik, Quantenphysik und Neuroplastizität aber auch darüber, dass die eigentliche Grundproblematik darin besteht, dass 95% unbewusster oder gar unterbewusster "Seinszustand" gegen 5% bewusster Geist arbeiten... Diese unbewussten "Muster" verstärken wir täglich, weil wir immer die gleichen Dinge tun, gleich über die Welt denken und immer wieder die gleichen Gefühle produzieren: "...weil man nichts dazulernt bzw. nichts Neues macht, aktiviert das Gehirn seine neuronalen Netze in den immer wieder selben Sequenzen, Mustern und Kombinationen. Sie entwickeln sich zu automatisch ablaufenden Programmen, die wir täglich unbewusst nutzen. Wir haben ein automatisches neuronales Netz zum Sprechen einer Sprache, zum Rasieren des Gesichts oder zum Auflegen von Make-up, zum Tippen auf dem PC, zum Beurteilen der Kollegen usw., denn diese Handlungen haben wir schon so oft ausgeführt, dass sie praktisch zu etwas Unbewusstem wurden. Wir müssen nicht mehr bewusst darüber nachdenken. Es geht ganz mühelos". Dieses Schubladendenken bezeichnet Dispenza als Neurorigidität (=Schubladendenken) und er zeigt auf, dass unsere Identität letztlich aus solchen rigiden Mustern zusammengeschustert ist. Sein Rezept dagegen: Einen offenen, beweglichen Geist zu entwickeln, der ausserhalb von Schubladen denkt und das Gehirn so auf vielfältige Art und Weise herausfordert und aktiviert. Demnach setzt Dispenza die Neuroplastizität als Gegenstück zur Neurorigidität und fordert uns auf, täglich Neues zu lernen, zu denken, zu erfahren und zu fühlen, weil wir dadurch unser Gehirn verändern. Er beschreibt, dass wir das Vertraute, Vorhersehbare der Vergangenheit hinter uns lassen und den Fluss des Wandels durchqueren müssen, um ein neues ICH in einer unvertrauten, nicht vorhersehbaren Zukunft zu kreieren. 

Und genau da denke ich, dass das Problem besteht: Wer lässt schon Bekanntes so einfach los? Wer hat schon Vertrauen, um in eine unvorhersehbare Zukunft zu gehen oder kann sich das nur schon vorstellen? Können wir überhaupt ausserhalb der alltäglichen Muster denken und fühlen? Vielleicht sind deshalb religiöse Menschen oftmals gesünder... Sie vertrauen in Gott (oder ein anderes spirituelles Konzept), wodurch sie sich einen Anker in der nicht vorhersehbaren Zukunft schaffen. Vielleicht liegt ja die wissenschaftlich bewiesene Wirkung von Gebet und Meditation darin, dass wir uns in einem spirituellen Kontext besser (vertrauensvoller) in den Fluss des Wandels begeben können?

Dispenza betont weiterhin die Wichtigkeit von Emotionen: "Das Fühlen von Emotionen lässt uns Zugang zum Betriebssystem gewinnen und eine Veränderung programmieren, denn so signalisieren wir dem autonomen Nervensystem automatisch, es soll die unserem verbesserten Zustand entsprechenden chemischen Substanzen erzeugen." Für positive Veränderungen brauchen wir demnach logischerweise positive Emotionen. So ist auch klar, dass wir Veränderungen nicht zwanghaft herbeiführen können (denn dann wären wir sofort wieder in den negativen Emotionen, weil wir Druck erzeugen). Und hier gibt es eine Verbindung zum Unterbewussten: "Implizite Erinnerungen entwickeln sich aus den Emotionen der Erfahrung; dafür sind zwei mögliche Szenarien vorstellbar. Erstens: Ein emotional stark aufgeladenes Ereignis kann sofort gekennzeichnet und im Unterbewusstsein abgespeichert werden (z.B. die Erinnerung, als Kind in einem großen Kaufhaus von der Mutter getrennt worden zu sein). Oder zweitens: Wiederholte Emotionen aus konsistenten Erfahrungen werden dort immer wieder protokolliert. Implizite Erinnerungen sind Teil des unterbewussten Gedächtnisses, wohin sie entweder durch wiederholtes Erleben oder Ereignisse mit einer hohen emotionalen Ladung gelangen."

Deshalb ist es wohl so eminent wichtig, dass wir bewusst immer wieder positive Erlebnisse und Erfahrungen kreieren, um die damit verbundenen positiven Emotionen im Unterbewussten abzuspeichern. Anstatt uns darüber zu ärgern, was an einem Tag alles schief gelaufen ist, sollten wir unseren Fokus lieber auf etwas legen, was uns erfreut und in positive Emotionen versetzt. Um uns dabei zu unterstützen bietet Dispenzas Buch nebst viel "Theoretischem" auch noch ausgeschriebene Meditationen. Das ist zwar schön und gut, aber irgendwie nicht so praktikabel. Allerdings gibt es eine gut gemachte CD zum Buch, in der dann die Meditationen von einer Männerstimme zu angenehmer Musik vorgelesen werden.

Freitag, 8. Februar 2019

Physiker und Philosoph philosophiert über Physik

Der promovierte Philosoph und Physiker Eduared Kaeser ist als Lehrer, freier Publizist und Jazzmusiker tätig. Im Spektrum Wissenschaft ist gestern von ihm eine lesenswerte Kollumne über die Entmaterialisierung der Physik erschienen:

https://www.spektrum.de/kolumne/die-entmaterialisierung-der-materie-geht-zu-weit/1621496?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=kolumne

Sehr lesenswert sind übrigens auch die Kommentare dazu!

Und jetzt habe jeder den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und entweder die irritierenden Widersprüche auszuhalten oder eine eigene Antwort darauf zu finden.


Samstag, 26. Januar 2019

Der Urzeit-Code



Das Buch von Luc Bürgin steht schon seit einigen Jahren in meinem Bücherregal - gelesen habe ich es erst jetzt...

Der Herausgeber der Zeitschrift mysteries und erfolgreiche Journalist beschreibt in seinem Buch die Entdeckung der beiden Ciba-Geigy-Forscher Guido Ebner und Heinz Schürch. Die beiden forschten in den 1980er Jahren im Auftrag der Ciba-Geigy mit elektrostatischen Feldern. Konkret untersuchten sie die Wirkung, die solche Felder auf keimende Samen hatten. Die Resultate waren erstaunlich: Wurden die Samen in einem bestimmten Stadium der Keimung unter bestimmten Bedingungen dem sogenannten statischen E-Feld ausgesetzt, entwickelten sie sich später zu viel grösseren, urtümlichen Formen. Dieser Effekt konnte auch mit Fischeiern nachgewiesen werden: aus den im Elektrofeld "behandelten" Eiern entwickelten sich viel grössere Forellen-Formen, welche urtümliche  Merkmale (z.B: Lachshaken oder rötliche Kiemenfärbung) zeigten. Die beiden Forscher konnten auch Weizen herstellen, der ohne Düngungsmittel viel üppiger  wuchs als der "moderne" Zuchtweizen. Mais, den sie im E-Feld "behandelten" wuchs mit bis zu sechs Kolben - im Gegensatz zu 1-3 Kolben des "normalen" Mais.

Infolge von Restrukturierungsmassnahmen (und vermutlich auch wegen handfester wirtschaftlicher Interessen) wurde die Forschung der beiden jedoch abgesetzt. Da die beiden in der Wirtschaft forschten, publizierten sie ihre Ergebnisse nie in wissenschaftlichen Papers, was wohl auch zum Vergessen dieser Arbeit und zu einer Nicht-Beachtung in der Wissenschaftswelt geführt hat. Immerhin hat gemäss Bürgin ein gewisser Axel Schoen in seiner Diplomarbeit zum Biologen die Versuche von Ebner und Schürch reproduziert ("Auswirkungen elektrostatischer Felder auf das Keimverhalten und die Ontogenie verschiedener Getreidearten", Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 2001).

Spannend finde ich die Tatsache, dass bereits vor 30 Jahren gezeigt werden konnte, dass statische E-Felder lebendige Organismen in ihrer Entwicklung beeinflussen. Es werden im Buch auch Parallelen zu Sheldrakes morphogenetischen Feldern gezogen und Hinweise auf die Epigenetik gemacht. Allerdings muss man sich bei der Lektüre des Buches aus dem Jahr 2007 bewusst sein, dass damals das Wissen um Quantenbiologie und Epigenetik noch in den Kinderschuhen steckte. In den Zeiten der Forschungen von Ebner und Schürch konnten noch gar keine Erklärungen der gefundenen Phänomene in dieser Richtung abgegeben werden...

Obwohl das Buch also eigentlich "veraltet" ist, finde ich es lesenswert und habe einige Zitate gefunden, die mir sehr gefallen. So wird Guido Ebner auf S. 141 wie folgt zitiert: "Die Natur funktioniert als Ganzes und weiss nichts von unseren willkürlichen Einteilungen in wissenschaftliche Disziplinen wie Chemie, Physik oder Biologie. Die Natur kümmert sich nicht darum, ob wir sie verstehen oder nicht. Sie tut dennoch, was sie tut."  Auch Ebners Söhne kommen im Buch zu Worte. Sein Sohn Daniel wird auf S. 191 wie folgt zitiert: "Die Natur in ihrer Gesamtheit stellt letztendlich nicht ein statisch indifferenziertes, sondern ein dynamisch aktives, sich entwickelndes Wesen dar."

Ein ausführliches Interview mit Daniel Ebner gibt es übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=vUfOiW0_bZ0

Daniel Ebner hat sogar mobile E-Feld-Boxen entwickelt, mittels derer jeder Hobbygärtner Samen "behandeln" kann, um ebenfalls im Garten Urpflanzen zu züchten. Ich werde es trotzdem nicht tun.. Was mich aber schon fasziniert, sind die Hinweise, dass elektromagnetische und elektrische Felder offensichtlich eine viel stärkere Interaktion mit lebendem Material zeigen, als wir annehmen. Doch das Buch macht auch klar: Selbst wenn diese Beeinflussungen nachweisbar sind (was sie nur unter ganz bestimmten Bedingungen sind) - erklärbar sind sie noch lange nicht. Professor Gunter Rothe vom Institut für Allgemeine Botanik der Universität Mainz sagt jedenfalls: "Die Ergebnisse der Schweizer Kollegen Ebner und Schürch weisen meiner Meinung nach sehr deutlich darauf hin, dass Merkmale in Organismen aus einem Schwingungssystem heraus entstehen. [...] An den zweiten Teil aber - diesen Schwingungs- und Quantenaspekt - müssen wir uns noch mühsam herantasten. Dazu braucht es noch ganz andere Experimente."

Meine Meinung dazu aus heutiger Sicht: Obwohl man heute die 1:1-Übersetzung der Erbinformation in Proteine gut versteht, hat man nur eine vage Idee, wie die DNA mit E-Feldern wechselwirkt.

Einen guten Film zum Thema gibt es aus dem Jahr 2013 auf YouTube. Prof. Dr. Edgar Wagner, der sich ebenfalls intensiv mit den Versuchen von Ebner und Schürch auseinander gesetzt hat, erklärt, dass die Ergebnisse von Ebner und Schürch heute anders erklärt werden können als vor 20 Jahren: Mit der Epigenetik.



Die im Film immer wieder erwähnte GFBG ist übrigens die Gesellschaft für Forschung auf Biophysikalischen Grenzgebieten: http://www.gfbg.ch/die_gesellschaft.html

Im Film erklärt Wagner das Phänomen der Berührungsmorphogenese: Je öfter ein Mensch eine Pflanze berührt, desto kleiner wird sie. Menschen haben an ihrer Oberfläche ebenfalls ein elektrisches Feld, über welches ebenfalls Informationen ausgetauscht werden (z.B. bei der Massage oder beim Streicheln eines einschlafenden Kindes). Wanger führt aus, dass über solche "Feld-Interaktionen" Informationen ausgetauscht werden.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Gesundheit ist kein Zufall

Das neueste Buch von Peter Spork (http://www.peter-spork.de/103-0-Gesundheit-ist-kein-Zufall.html) bezeichnet die faz als "Eines der sechs wichtigsten Bücher der Saison" und übertreibt damit nicht :-).

Auf rund 375 Seiten erklärt Spork gut verständlich, wie das Leben unsere Gene prägt, zeigt die neuesten Erkenntnisse der Epigenetik auf und legt dar, wieso Gesundheit ein Generationenprojekt ist. Bereits in der Einleitung findet Spork eine sehr treffende Definition von Gesundheit: "Gesundheit ist die Anpassungsfähigkeit von Körper und Geist an eine sich stets wandelnde, nicht selten bedrohliche und angriffslustige Umwelt. [...] Sie ist ein Prozess, ein Kontinuum. Gesundheit ist die aktive Leistung eines Organismus." Spork liefert auf S. 65 auch gleich die derzeit gängige "Methusalem-Formel" für ein langes, gesundes Leben: "niemals rauchen, wenig Alkohol trinken, sehr regelmässig ziemlich viel bewegen, immer nur in Massen, abwechslungsreich und möglichst frische Waren essen, ausreichend schlafen, sich keinen extremen dauerhaften psychischen Belastungen aussetzen." 

Gemäss Spork steuert das Epigenom unsere Gesundheit viel stärker als die Gene, die wir von unseren Eltern geerbt haben: "Ob wir krank werden oder nicht, ob wir frühzeitig altern oder lange fit bleiben, darüber entscheidet sehr viel mehr die übergeordnete Ebene: die grösstenteils durch die wandelbare epigenetische Umgebung der DNA geprägte, bleibende Steuerung der Aktivierbarkeit der Gene in den beteiligten Zellen und Organen. Diese wirkt nicht selten auf Tausende von Genen gleichzeitig. Sie reguliert - ausgelöst durch den Lebenssil und andere Umwelteinflüsse sowie unterstützt durch generationsüberschreitende Prozesse - auf breiter Front solche Gene herauf oder herunter, die uns entweder gesund erhalten oder krank machen" (S. 70/71)

Mit zunehmendem Alter nimmt die Methylierung der DNA ab, was bedeutet, dass mehr Gene aktivierbar sind. Der kalifornische Biostatistiker Steve Horvath hat aufgrund dieser Tatsache 2011 mit Kollegen einen Speicheltest veröffentlicht, mit dem sich das Alter einer unbekannten Person auf 5 Jahre genau ermitteln lässt (epigenetische Uhr). Inzwischen hat er seinen Algorithmus auf eine Genauigkeit von 3.6 Jahren verbessert. Interessant: Bei Krebszellen stellte Horvath fest, dass ihre epigenetischen Uhren im Mittel 36 Jahre älter erscheinen, als sie tatsächlich sind. Dies zeigt, wie stark beschleunigt Krebszellen "ticken"...! (S. 88 - 92)

Das Buch beschreibt viele Studienresultate, die auf eindrückliche Art und Weise zeigen, wie unser Erbgut nicht nur während der Schwangerschaft, nach der Geburt und während den ersten Lebensmonaten, sondern auch (und das klingt jetzt fast etwas science-fiction-mässig!) bereits VOR der Empfängnis beeinflusst wird! Die Forscherin Isabelle Mansuy forscht dazu in Zürich: Sie und ihre Kollegen haben epigenetische Veränderungen traumatisierter Mäusemännchen aus deren Spermien entnommen und in Eizellen gespritzt, die zuvor von nicht-gestressten Männchen befruchtet worden waren. "Später zeigte sich: Obwohl weder beide Eltern noch die Kinder je ein Trauma erlebt hatten, verhielten sich die Kinder ähnlich wie die traumatisierten Mäusemännchen, von denen sie lediglich die RNAs geerbt hatten." (S. 149/150)

Ein weiteres Beispiel: "Unlängst fanden Forscher heraus, dass bei einer künstlichen Befruchtung bereits die Art der Nährlösung, in der der Keim in einer Petrischale auf die Einnistung vorbereitet wird, über die Zukunft des Babys mit entscheidet. Je nach Zusammensetzung der Nährlösung werden die Kinder früher oder später geboren und haben im Mittel ein unterschiedliches Geburtsgewicht." (S. 154/155)

Spork Buch zeigt auf gut verständliche Art und Weise die faszinierenden neuesten Erkenntnisse der Epigenetik auf. Für nicht so Biologieversierte gibt es ein 13-seitiges Glossar und für alle Interessierten ein ausführliches Studien- und Literaturverzeichnis ("Anmerkungen") für weitere eigene Recherchen. Das Tollste finde ich aber fast die Tatsache, dass Spork niemals "missioniert": So zeigt er im Schlusswort klar, dass auch das vermeintlich "Ungesunde" gut sein kann, wenn man sich damit belohnt (Motto: sich zwischendurch genussvoll Schokolade zu gönnen ist völlig in Ordnung). Sporks Buch zeigt sehr gut auf, dass wir durch unseren Lebensstil bestimmte Programme in unseren Zellen abrufen und so auch die Möglichkeit haben, das Optimum aus unseren genetischen Möglichkeiten zu holen.


Sonntag, 7. Oktober 2018

Übersäuerung - Mythos oder Wirklichkeit?

Übersäuerung ist ein Lieblingsthema vieler Naturheilmethoden und dahinter steht ein mächtiger Markt an Nahrungsergänzungsmitteln, die es aber eigentlich gar nicht braucht. Wären wir wirklich übersäuert, ginge es uns derart schlecht, dass wir im Spital lägen und nicht mehr in der Lage wären, uns selber mit Basenpulver zu kurieren. Von einer Übersäuerung (= metabolische Azidose) spricht man in der Schulmedizin dann, wenn der Blut-pH unter 7.35 fällt. Dieser Befund kann lebensgefährlich sein und zeigt sich in Symptomen wie beispielsweise Atemnot, Hyperventilation, Herzrhythmusstörungen und niedrigem Blutdruck.

Damit dies nicht passiert, hat unser Blut als eine wichtige Eigenschaft die Fähigkeit, den pH-Wert konstant bei 7.4 zu halten. Weicht er um mehr als 0.05 Einheiten ab, spricht man von einer Azidose (pH tiefer als 7.35), resp. einer Alkalose (pH höher als 7.45). Der pH-Wert variiert je nach Stoffwechsellage unseres Körpers und diese wiederum hängt von unserer Nahrung ab. Damit der pH-Wert trotz unserer (Fehl-)Ernährung in sehr engen Grenzen konstant bleibt, verfügt unser Blut über ein ausgeklügeltes Puffersystem:


Erklärungen dazu gibt es bei der Quelle der obigen Abbildung: http://biorama.s3-website-eu-west-1.amazonaws.com/biblio/b50chem/k06saba/saba130.htm

Betrachtet man obige Darstellung, wird einem eigentlich klar, dass wir durch Stoffwechselprozesse entstehende überschüssige "Säuren" via Niere ausscheiden, wodurch unser Urin sauer wird. Das ist also eine ganz natürliche Reaktion unseres Körpers, um unseren Blut-pH konstant zu halten. Auch via Lunge atmen wir überschüssiges Kohlendioxid ab, das im Rahmen dieser Blutpufferung anfällt (deshalb zeigen Azidose-Patienten die typische forcierte "Kussmaul-Atmung").

Was wir essen, beeinflusst natürlich via Stoffwechselprozesse die Bildung von mehr oder weniger Säuren. Diese Säuren gehen dann ins Blut, wo sie via Puffersysteme neuralisiert werden, damit der Blut pH kontant bei 7.4 bleibt. Via Blutgefässen und feinsten Kapillaren gelangen die Nährstoffe des Blutes bekanntlicherweise zu den Zellen. Da der Blut-pH dabei immer kontant bleibt, ist es mir schleierhaft, wie gleichzeitig Säuren in die Zellen oder den Interzellularraum gelangen sollen. Genau dies wird aber immer wieder propagiert und damit wir uns "entsäuern" können, sollen wir teure Basenpulver und sonstige Nahrungsergänzungsmittel kaufen. Wenn wir unser Blutpuffer-System nicht allzu arg stressen wollen, reicht es, auf eine gesunde Ernährung zu achten, genügend zu trinken und uns ausreichend zu bewegen.

Zudem frage ich mich: Wenn ich dieses teuer gekaufte Basenpulver esse, gelangt es ja als erstes in den extrem sauren Magen - da dürfte die basische Wirkung sofort neutralisiert werden, respektive dem sauren Magenmilieu eher schaden als nutzen. Unser Magen soll aber so sauer sein wie er ist, damit 1. die Nahrung desinfiziert wird und 2. Eiweisse denaturiert werden. Wenn wir da jetzt Basenpulver reinschütten, ist das doch einfach nur schade...

"Um einer metabolischen Azidose durch eine passende Prophylaxe aus dem Weg zu gehen, sollten die Risikogruppen mit einer entsprechenden Vorerkrankung täglich eine ausreichende Menge an Flüssigkeit zu sich nehmen und sich körperlich aktiv bewegen." 
Quelle: https://medlexi.de/Metabolische_Azidose
Ausserdem können wir unser Blutpuffer-System etwas schonen, wenn unsere Ernährung weniger Säure-bildende Lebensmittel (z. B. Fleisch, Käse, Milch, Eier und Süßigkeiten) beziehungsweise mehr Basen-spendende Lebensmittel (Gemüse und Obst) enthält.

Zu den im obigen Zitat erwähnten Risikogruppen zählen Diabetes-Patienten, Menschen mit Asthma bronchiale und Menschen mit Nierenfunktionsstörungen.

Im Körper gibt es übrigens noch weitere wichtige pH-Werte, die alle mehr oder weniger konstant sind: So ist z.B. die Haut leicht sauer (pH 5.4), unser Magen extrem sauer (pH 1-2) und Gallen- sowie Bauchspeicheldrüsensaft sind leicht basisch (pH ca. 8). Das Wunderbare an diesen Werten ist, dass sie unser Körper selber durch homöostatische Prozesse konstant halten kann - auch ganz ohne Basenpulver. Fazit: Obwohl es praktisch nicht möglich ist, mittels Fehlernährung in eine metabolische Azidose zu laufen (vorausgesetzt, Nieren- und Lugenfunktion sind nicht eingeschränkt) können wir unseren Körper dennoch unterstützen, indem wir viel basenbildendes Obst und Gemüse und weniger säurenbildende tierische Produkte und Süssigkeiten essen. Wenn wir Letzteres tun, reagiert unser Körper einerseits mit der vermehrten Ausscheidung der Säuren und andererseits mit der vermehrten Produktion von Cortisol. Und damit zeigt er deutlich, dass wir ihn stressen!

Einen guten Artikel zum Thema kann man hier nachlesen:
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kann-der-koerper-uebersaeuern-mythos-oder-medizin-a-1095119.html