Freitag, 25. März 2016

Circadianer Rhythmus des Immunsystems

Wieder einmal bin ich dabei, ein Referat vorzubereiten. Diesmal geht es um das Immunsystem, welches am Heilpraktikertag in Konstanz das Schwerpunkt-Thema ist.

Bei meinen Vorbereitungen bin ich auf einen sehr guten Blog einer Biologin gestossen, welche die circadiane Rhythmik des Immunsystems wunderbar anschaulich darstellt:


Herzlichen Dank an die Autorin!

Dienstag, 16. Februar 2016

Der Quantenbeat des Lebens

Al-Khalili und McFadden wirken beide an der Universität von Surrey und haben gemeinsam ein Buch darüber geschrieben, wie Quantenbiologie die Welt neu erklärt. Wenn ein Professor für theoretische Kernphysik und ein Professor für Molekulargenetik gemeinsam Lebensphänomene erklären, wird es zugegebenermassen etwas kompliziert aber auch sehr spannend!


Die beiden erklären fundiert und dennoch so, dass die Verständlichkeit oberste Priorität hat. Sehr gut gefallen mir die vielen Alltagsvergleiche, die sie einflechten. So beschreiben Sie beispielsweise die Quanten-Superposition von S- und D-Welle in einem Deuteron damit, dass Teilchen gleichzeitig Walzer und Jive tanzen: "Wie man Ende der 1930er Jahre entdeckte, tanzen die beiden Teilchen innerhalb des Deuterons nicht gemeinsam entweder in dem einen oder dem anderen dieser beiden Zustände, sondern in beiden Zuständen gleichzeitig - sie befinden sich zu gleichen zeit in einem Wirbel aus Walzer und Jive; das versetzt sie in die Lage, aneinanderzubinden. [...] Könnten also Teilchen nicht Jive und Walzer zur gleichen Zeit tanzen, unser Universum wäre noch heute eine Suppe aus Wasserstoffgas und nichts anderem..." (S. 14/15)

Die Autoren sind der Ansicht, dass unser Leben auf der Grenze zwischen Quantenwelt und klassischer Welt angesiedelt ist. 2004 erschien in "Nature" ein Artikel über den Orientierungssinn der Vögel, der auf einem Quantenkompass beruht, womit das Aushängeschild für die Quantenbiologie gefunden war! Inzwischen sind laut den Autoren viele Wissenschaftler davon überzeugt, "dass die Quantenmechanik auf der grundlegenden Ebene in der Biologie eine Rolle spielen muss." (S. 23). Weiter hinten kann man lesen: "Offenbar bemühen lebende Systeme sich nicht, molekulare Schwingungen zu vermeiden, sondern sie tanzen zu deren Rhythmus. [...] Das molekulare Orchester spielt nicht in einem ruhigen Konzertsaal, sondern wie auf einem Platz in einem lebhaften Stadtzentrum: inmitten einer Kakophonie aus molekularem Rauschen, das jeden einzelnen Musiker stört, so dass die Schwingungen der Excitonen wahrscheinlich aus dem Tritt geraten und ihre empfindliche Quantenkohärenz verloren geht." (S. 359)

Problematisch ist es aber, diese Phänomene zu messen, denn "wenn ein Quantensystem in Wechselbeziehung einem klassischen Messinstrument tritt, [...] verliert es seine seltsamen Quanteneigenschaften." (S. 24). Trotzdem schreiben Sie auf S. 26: "Quantenphänomene wie die Superposition und den Tunneleffekt hat man in zahlreichen biologischen Phänomenen entdeckt, von den Mechanismen mit denen Pflanzen das Sonnenlicht einfangen, bis zur Produktion von Biomolekülen in unseren Zellen."

Der erste Fachartikel über Quantenbiologie wurde 1932 von Pascual Jordan für die deutsche Fachzeitschrift "Die Naturwissenschaften" verfasst. Der Titel lautete "Die Quantenmechanik und die Grundprobleme der Biologie und der Psychologie". Schrödinger hat sich auch mit der Frage befasst, was Leben sei. "Nach seiner Überzeugung sind zumindest einige der kleinsten biologischen Maschinen so winzig, dass sie nicht den klassischen Gesetzen unterliegen." (S. 66) "Lebewesen, so Schrödingers Behauptung, sind Phänomene auf Quantenebene, die durch die Luft fliegen, auf zwei oder vier Beinen laufen, im Ozean schwimmen, im Boden wachsen oder auch dieses Buch lesen können." (S. 68). Gemäss Autoren unterscheidet sich Leben von unbelebten Objekten, "weil eine relativ kleine Zahl hochgeordneter Teilchen - beispielsweise in einem Gen oder im Kompass der Vögel - einen ganzen Organismus entscheidend beeinflussen können. " (S. 70)

Die beiden Autoren schreiben auch über das Bewusstsein, wobei sie klar stellen, dass man keine Ahnung hat, was das Bewusstsein überhaupt ist. Auf S. 304 kann man lesen, dass der Dualismus eigentlich überwunden sei: "In wissenschaftlichen Kreisen ist der Dualismus jedoch im Laufe des 20. Jahrhunderts in Misskredit geraten, und heute bevorzugen die meisten Neurobiologen die Vorstellung eines Monismus - danach sind Geist und Körper ein und dasselbe." Selbstverständlich kommt auch die "Tubulin-Hypothese" des Bewusstseins von Penrose und Hameroff zu Worte, wobei die Autoren der Ansicht sind, dass Mikrotubuli vermutlich schon deshalb nicht als Kandidaten für kohärente Quanten-Qubits in Frage kommen, weil sie zu gross und zu kompliziert sind (S. 316). "Berechnungen legen aber die Vermutung nahe, dass die Quantenkohärenz sich selbt in einem einzelnen Mikrotubulus nicht länger als für wenige Picosekunden aufrechterhalten lässt, eine viel zu kurze Zeit, als dass sie irgendeinen Effekt auf die Rechenvorgänge im Gehirn habe könnte." (S. 317) Gemäss Autoren liegt ein möglicher Schauplatz quantenmechanischer Phänomene im Gehirn in den Ionenkanälen der Zellmembranen von Neuronen (S. 319 ff). Die Auoren stellen auch gleich klar: "Überlegungen, wonach EM-Felder des Gehirns oder auch quantenkohärente Ionenkanäle dazu dienen könnten, das Bewusstsein zu erklären, liefern keinerlei Unterstützung für sogenannte "paranormale Phänomene"." (S. 323)

Im letzten Kapitel schreiben die Autoren über das Leben am quantenmechanischen Rand eines klassischen Sturms. "Die Dynamik des Lebens befindet sich in einem fein ausbalancierten Gleichgewicht, so dass Ereignisse auf der Quantenebene sich in der makroskopischen Welt auswirken können, genau wie Pascual Jordan es schon in den 1930er Jahren propheizeite. Dieses makroskopische Ansprechen auf den Quantenbereich ist eine einzigartige Eigenschaft des Lebendigen und erlaubt es ihm, potentiell Phänomene auf der Quantenebene wie Tunnelefekkte, Kohärenz und Verschränkung zu nutzen. [...] Statt sich vor den Stürmen zu verstecken, nimmt das Leben sie an und nutzt ihre molekkularen Winde und Böen, die seine Segel füllen und das Schiff aufrecht halten, so dass sein schmaler Kiel die thermodynamischen Gewässer durchdringt und mit der Welt der Quanten in Verbindung tritt." (S.374-378)

Sonntag, 17. Januar 2016

Das Rätsel des menschlichen Bewusstseins

Am 16.1.2016 fand im Verkehrshaus Luzern die 11. Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Technik + Ästhetik statt, ein hochrangiges Treffen von Wissenschaftlern, die sich alle mit dem Bewusstsein befassen. Hier gibt es mehr Infos zu dieser vielbesuchten Tagung. In den nachfolgenden Notizen wird nur auf die Keynotes-Speakers (ohne zugehörige "Chairs") eingegangen.



Der erste Referent, Fritjof Capra, stellte gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar, dass Physik das Leben nicht erklären könne. Für ihn liegt der Unterschied zwischen belebter und unbelebter Natur im Vorhandensein eines Metabolismus. Dieser wiederum besteht aus einem gerichteten Energiefluss (welcher von der Chemie, resp. der Physik untersucht werden kann) sowie aus einem chemischen Netzwerk, welches Gegenstand topologischer Untersuchungen sei. Für Capra sind Netzwerke die Basis-Organisation von Leben. Diese Netzwerke sind "Selbst-Machend", was unter dem Begriff "Autopoiese" beschrieben werden kann. Mehr Infos dazu:
- Wikipedia
- Artikel von Walter L. Bühl über Grenzen der Autopoiesis
- Buch "Autopoesis and Cognition" von Maturana und Varela

Für Capra ist auch der "Mind" kein Ding, sondern ein Prozess. Grundlegend für Lebensprozesse ist, dass sie zu einer Verkörperung von Organisationsmustern in Struktur führen. Leben und Bewusstsein sind untrennbar verflochten, wobei Capra erwähnte, dass dafür nicht gezwungenermassen ein Gehirn notwendig sei. Für ihn sind "mind & matter" zwei komplementäre Aspekte des Lebensphänomens. Bewusstsein ist für ihn ein spezieller Prozess der Kognition, der ab einem bestimmten Komplexitätslevel auftritt, wobei Selbst-Bewusstsein die zentrale Charakteristik dieses Prozesses ist. Bewusstsein existiert für Capra nicht ohne Materie und entsteht aus Kognition, welche sich wiederum auch entwickeln kann. Auf die Frage, ob Roboter jemals Bewusstsein entwickeln könnten, antwortete Capra, dass dies nur dann möglich wäre, wenn die Roboter einen Metabolismus entwickelten, denn erst dann könnten sie als Lebewesen auch Kognition und Bewusstsein entwickeln.

(Randbemerkung: Ich persönlich würde diese beiden Begriffe gerade andersrum verwenden: Für mich ist Bewusstsein grundlegender als Kognition.)

Capra sieht Evolution nicht als zufälliger Selektionsprozess, sondern als kreativer Prozess, denn Evolution ist komplex, geordnet und bewusst.

Der zweite Referent, Ernst Peter Fischer, stellte in einem erfrischenden Referat vehement klar, dass der Wert der Wissenschaft darin bestehe, dass sie zugebe, nichts zu wissen und neugierig bleibe. Für ihn ist das Leben ein Geheimnis und kein Rätsel, weil es sonst eine Lösung für die offenen Fragen gäbe. Deshalb sei der Titel der Tagung auch falsch: Es müsse "das Geheimnis des menschlichen Bewusstseins" heissen, weil man dieses Phänomen nie erklären könne und es deshalb kein Rätsel sei (ein Rätsel hat ja eine Lösung...). Für Fischer ist die naturwissenschafliche Forschung denn auch romantisch, was er anhand eines Textes von Novalis "belegte". Die naturwissenschaftliche Forschung liefert laut Fischer keine Lösungen, sondern verschiebt einfach die Geheimnisse "nach hinten"... Und trotzdem ist es wichtig, dass wir den Geheimnissen auf der Spur bleiben! Besonders gut gefallen hat mir folgende Aussage Fischers: "Beim Sehen malen wir die Welt!"

Als nächstes stellen Sir Roger Penrose und Stuart Hameroff ihr Modell der Entstehung von Bewusstsein durch Quantenprozesse an den Mikrotubuli vor. Die beiden waren schon an der 9. Biennale, über die sich in diesem Blog ebenfalls ein kurzer Text findet. Wer die Studie nachlesen will, kann dies hier tun.

Sehr spannend fand ich Hameroffs Ausführungen zum transkranialen Ultra-Sound (TUS): Durch mechanische Vibrationen (z.B. in Megahertz) kann durch Mikrotubuli vermitteltes (neurales) Zellwachstum beeinflusst werden, was sich in einem veränderten mentalen Zustand äussert. Hameroff testete dies u.a. auch an sich selber und versicherte uns, die so herbeigeführte "Gemütsveränderung" habe ca. 40 Minuten angehalten. Mehr Infos dazu gibt es unter diesem Link.

Für Hameroff und Penrose tanzt das Bewusstsein an der Grenze von zwei Welten (der Welt der klassischen Physik und derjenigen der Quantenphysik).

Einen ganz anderen Zugang zum Bewusstsein hatte der vierte Referent: Luis Eduardo Luna untersucht die Wirkung psychogener Pflanzen (z.B. Ayahuasca oder Yagé) und deren Einsatz bei indigenen Völkern. Für die Eingeborenen Südamerikas sind Pflanzen Lehrer - eine Ansicht, das mir sehr gut gefällt. Ich persönlich würde das ausweiten und sagen: Die Natur ist unser Lehrmeister! Laut Luna ist (fast) allen durch psychogene Pflanzen ausgelösten Trips (die ca. 4-5 Stunden dauern) das Gefühl der Verbundenheit eminent.

Nach der Mittagspause zeigten Thupten Jinpa (der englische Übersetzer des Dalai Lama) sowie Matthieu Ricard einen eher erkenntnistheoretischen und erfahrungsgeprägten Zugang zum Bewusstsein. Die Erfahrung ist ein wesentlicher Aspekt für Bewusstseinsbildung. Und auch bei diesen beiden Referaten wurde deutlich, dass das Rätsel um das menschliche Bewusstsein wohl eher ein Geheimnis bleiben wird, als dass es gelöst werden könnte.

Als letzter Referent erzählte Christof Koch über seine neurobiologische Forschung. Er verfolgt den klassischen Neurologischen Forschungsansatz, wonach neurale Aktivität Bewusstsein erzeugt (NCC = neuronal correlates of conciousness). Laut Koch ist Bewusstsein nicht im Kleinhirn angesiedelt, obwohl dieses 69 von 86 Bio. Neuronen enthält. Dass dies so ist, zeigt das eindrückliche Beispiel einer Chinesin, die über kein Kleinhirn aber trotzdem über vollständiges Bewusstsein verfügt. Experimente und empirische Beobachtungen zeigten, dass auch der primäre visuelle Cortex nicht am Bewusstsein beteiligt ist, obwohl andere Teile des Neocortex dies sind.

Laut Koch wird es in Zukunft möglich sein, 2 Gehirne miteinander zu verbinden und so eine Art "Überbewusstsein" zu konstruieren. Er kommt zu dieser Aussage, weil er in "split brain" -Versuchen das Gegenteil macht: Durch kappen der neuralen Verbindungen im Corpus Callosum (der Brücke zwischen den beiden Hirnhälften) verschwindet das Bewusstsein des Gesamthirns. Dazu fand ich hier einen spannenden Artikel.

Koch führte aus, dass es auch eine künstliche Intelligenz ohne Bewusstsein gibt. Er hält viel von der integrierten Informationstheorie des Bewusstseins von Giulio Tononi. Eine gemeinsame Arbeit von ihm und Tononi ist hier abrufbar. Laut Koch können Simulationen kein Bewusstsein generieren ("wir können Wetter im Computer simulieren, doch es wird niemals regnen im PC!"). Nur Realität schaltet Bewusstsein.

Fazit der spannenden Tagung: Das Rätsel wird wohl nie lösbar sein - und verlangt nach einer weiteren Biennale in 2 Jahren... Ich freue mich darauf, und bin gespannt, wie der Dialog weiter geht!




Montag, 23. November 2015

Deepak Chopra

Deepak Chopra (* 22. Oktober 1946 in Neu-Delhi, Indien) ist ein populärer zeitgenössischer Autor von Büchern über Spiritualität, alternative Medizin und Ayurveda. Er stammt aus Indien, lebt aber seit langem in Kalifornien. 
Der Sohn eines prominenten Kardiologen studierte Medizin und wurde Internist und Endokrinologe. Er beschäftigte sich aber auch stets mit alternativen Heilmethoden und gründete 1996 zusammen mit dem Neurologen David Simon das Chopra Center for Wellbeing, ein Wellness-Center in San Diego (später nach Carlsbad, Kalifornien verlagert). Sein medizinisches Verständnis ist stark beeinflusst durch seine Religion, den Hinduismus, und im Besonderen von den Veden und der Bhagavad Gita.

Seine zahlreichen Bücher erreichen weltweit Millionen-Auflagen und wurden in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt.

Chopra greift in seinen Büchern oft auf Begriffe aus der Quantenphysik zurück („Quantenheilung“), wofür er 1998 den satirischen Ig-Nobelpreis für Physik erhielt.Einige seiner Thesen werden teilweise zur „Quantenmystik“ gezählt und als „pseudowissenschaftlich“ bezeichnet. (Quelle: Wikipedia)

Auf youtube gibt es verschiedene Filme über seine Referate. Ich habe mir folgendes Referat angesehen, welches er im Mai 2011 hielt:

Hier einige Notizen, die ich mir zu seinen Ausführungen gemacht habe:

Chopra spricht davon, dass Körper und Psyche nicht zu trennen sind. Er definiert den Begriff "mind" wie folgt: "The mind is a embodied and relational process that regulates the flow of energy and information." Mir gefällt diese Definition, denn sie ist sehr offen und allgemein. Dass der Begriff "mind" sehr schwer zu fassen ist, zeigen auch all die vielen Übersetzungen, die "mind" auf Deutsch bietet (z.B. Geist, Seele, Sinn, Verstand, Absicht, Gedanken, Psyche, Gemüt u.a.). Was immer man nun unter "mind" versteht - für Chopra ist es untrennbar verbunden mit dem Körper. Er sagt auch ganz klar, dass unsere "minds" miteinander verbunden seien. Er spricht dabei von einer horizontaler Verschränkung (wir mit Menschen, die uns im momentanen Leben begegnen) aber auch von einer vertikalen Verschränkung (wir mit unseren Vorfahren). Wenn wir also mit einer Person X ein Gespräch führen, führen wir dieses Gespräch laut Chopra auch mit allen "minds" aus der Vergangenheit dieser Person sowie aus unserer Vergangenheit. Dies erklärt Chopra damit, dass Bewusstsein keinen Plural kennt, sondern nur singular ist. Demnach gibt es also nur ein Bewusstsein, und jedes Individuum wird von demselben Bewusstsein beeinflusst.

Für Chopra ist klar, dass Bewusstsein (consciousness) Bedeutung prozessiert und sich körperlich manifestiert. So führt ein gesprochener Satz (z.B. "soeben ist eine Schlange im Raum aufgetaucht") dazu, dass sich Blutdruck, Herzschlag usw. schlagartig verändern. 

Was mir bei diesem Vortrag nicht so klar wurde, ist der Bezug zwischen "consciousness" und "mind", denn Chopra braucht diese Begriffe meiner Meinung nach z.T. synonym. Um meine offene Frage zu klären, habe ich im Internet recherchiert und eine Antwort in einem Buch von Nicholas Humphrey gefunden: "...consciousness is the perception of what passes in a man's own mind" (A History of the Mind, S. 119).

Laut Chopra gibt es 5 wesentliche Punkt fürs Verständnis und die Erlangung von Gesundheit:
  1. Dein Körper ist keine fixe Struktur, er ist ein Prozess.
  2. Deine Gene sind nicht deterministisch. Du schaltest sie an und ab durch die Art und Weise, wie du denkst und lebst.
  3. Dein Gehirn ist keine fixe Struktur, denn du kannst seinen Aufbau ändern (Neuroplastizität)
  4. Du kannst deinen Körper verändern, weil du deine Gene und deine Genaktivität ändern kannst.
  5. Du kannst deine Beziehung zur Zeit ändern. Zeit ist, wie du deine Erfahrungen misst. Deine Seele ist zeitlos.

Chopra spricht davon, dass Heilung die Wiedererlangung der Homöostase ist. Für mich impliziert diese Aussage, das Krankheit der Verlust der Homöostase bedeutet, und das macht für mich Sinn.

Samstag, 31. Oktober 2015

Kurs mit James Oschman

Am 25.10.2015 bestand die Möglichkeit, James L. Oschman einen ganzen Tag in Zürich erleben zu können. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, und ich staunte nicht schlecht, dass ein "Crack" der Energiemedizin im kleinen Rahmen (vor rund 40 Leuten) einen ganzen Tag referierte. Es war für mich sehr eindrücklich, auf Tuchfühlung mit diesem grossen Forscher gehen zu dürfen und die persönlichen Gespräche mit ihm am Rand der Veranstaltung gehören zu meinen besten Weiterbildungserfahrungen bis jetzt.

Oschman stellte während rund 6 Stunden die Hauptpunkte seiner Forschungsarbeit dar. Er sprach davon, dass unser Körper vermutlich 4 bisher wenig erforschte Systeme hat, die viel schneller sind als die bekannten Informations- und Kommunikationssysteme (wie Nerven- und Hormonsystem).  Dazu gehört einerseits das "Living Matrix"-System, dann das Konzept "Wetware", welches Dennis Bray in seinem gleichnamigen Buch ausführlich darstellt, weiter die Biophotonen sowie die Quantenkohärenz. Laut Oschman liegt vermutlich in der Quantenkohärenz des Wassers die Zukunft der Quantenmedizin. Dazu fand ich einen einfachen Artikel hier: http://www.acquaphi.de/strukturiertes_wasser.pdf

Laut Oschman stellen diese 4 "ultraschnellen" Mechanismen vermutlich  eine Art "Kommunikationsbrücke" zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein her und koordinieren auch unsere Körperfunktionen. Oschman glaubt, dass auch unterschwellige Signale (solche Reizimpulse, die kein Aktionspotential generieren, weil sie den Schwellenwert von -50mV nicht erreichen) nicht verloren gehen, sondern via lebende Matrix im Körper verteilt werden.

Selbstverständlich sprach Oschman lange und ausführlich über das Lebende Matrix System, welches ein holistisches Konzept ist. Er ist davon überzeugt, dass Elektronen, Protonen und andere Stoffe, resp. "Teilchen" über die lebende Matrix im ganzen Körper verteilt werden. Laut Oschman sind Elektronen enorm wichtig, um Heilungsprozesse im Körper zu ermöglichen. Unser Bindegewebe stellt einen riesigen Elektronenspeicher dar, welcher jedoch regelmässig durch direkten Erdkontakt wieder aufgeladen werden muss. Oschman ist davon überzeugt, dass die Entwicklung der Gummisohle mit ein Grund für die Zunahme von Gesundheitsproblemen ist und er macht sich stark für die Barfuss-Evolution. Mehr Infos dazu gibt's beim Anklicken des Bildes



Der Nobelpreisträger Alber Szent-Györgi arbeitete lange direkt vis-à-vis von Oschman, und die zwei tauschten sich oft aus. Szent-Györgi sagte "Life is too rapid und subtle to be explainded by slow moving chemical reactions and nerve impulses" und stellte die These auf, dass unser Bindegewebe als Halbleiter für freie Elektronen fungiert. Unsere Zellen (z.B. Erythrozyten) verfügen über Integrine (das sind Eiweisse, welche durch die Zellmembran hindurchgehen), welche einerseits Elektronen in die Zelle lassen und andererseits auf die Zelle ausgeübten Druck weitergeben. Verändert man also die Form einer Zelle (z.B. durch Massage, Dehnungen, Gehen usw.) verändert man auch ihre Biochemie. Man weiss, dass Gewebe pizoelektrisch ist. Durch Druck auf Gewebe (z.B. während des Gehens) generieren unsere Zellen Elektrizität, welche über den Halbleiter Bindegewebe sofort den ganzen Körper darüber informiert, was jetzt gerade los ist.

Für mich persönlich am spannensten waren Oschmans Ausführungen über die Entdeckung von Francisco Torrent-Guasp, welcher herausfand, dass das Herz eigentlich aus einem einzigen helical verwickelten Muskelband aufgebaut ist:

Die Myokardfasern der Ventrikel stellen eine Art "Möbius-Band" dar und sind wie helical verschlungen ineinander. Oschman und sein Team untersuchten, ob es Resonanzen zwischen dem helicalen Herz sowie der DNA-Helix gibt. Leider ist diese Studie noch nicht veröffentlicht, doch Oschman versprach mir, sie per mail zu schicken.


Dienstag, 13. Oktober 2015

Die neue Medizin der Emotionen

Der im Juli 2011 an einem Hirntumor verstorbene Neurologe und Psychiater David Servan-Schreiber beschreibt in seinem 2006 erschienen Buch Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Körper und Geist. Das Buch liest sich sehr gut und spart auch nicht an konkreten Tips für ein glückliches Leben. Doch auch wenn man glücklich ist, bietet das Buch durchaus spannende Facts.
David  Servan-Schreiber - Die Neue Medizin der Emotionen
Auch in diesem Buch geht es wieder um Kohärenz der Herzschlagvariabilität und Servan beschreibt u.a., dassman in einem Versuch Freiwillige gebeten habe, sich eine Szene vorzustellen, die sie wütend gemacht hatte. "Allein die Erinnerung löste für einige Minuten im Herzrhythmus ein Chaos aus. Nach diesem chaotischen Zustand fielen die IgA-Werte durchschnittlich sechs Stunden lang ab, was die Widerstandskraft gegen Infektionen minderte. In derselben Studie führte eine positive Erinnerung zu mehreren Minuten der Kohärenz, und die Produktion von IgA erhöhte sich in den folgenden sechs Stunden." (S. 78)

In Kapitel 5 beschreibt Servan die grossen Erfolge der Heilung psychischer Traumata durch EMDR (eye movement desensitization and reprocessing), was auf Deutsch etwa übersetzt werden könnte mit "Desensibilisierung und Neuorientierung durch Augenbewegung". Dazu kann man auf S. 101- 107 lesen: "In jedem von uns existiert ein solcher Mechanismus, der emotionale Traumata verarbeitet. Diesen Mechanismus bezeichnen die EMDR-Praktiker als "adaptives System zur Verarbeitung von Information". [...] Ähnlich wie das Verdauungssystem alles für den Organismus Nützliche und Notwendige aus der Nahrung zieht und den Rest aussondert, geift das Nervensystem sich die nützliche Information - die "Lektion" - heraus und entledigt sich innerhalb weniger Tage der Gefühle, der Gedanken sowie einer physiologischen Aktivierung, die nicht mehr gebraucht werden, sobald das Ereignis vorbei ist. [...] Der Theorie von EMDR zufolge wird die Information, die sich auf die Traumatisierung bezieht, nicht verdaut, sondern im Nervensystem festgehalten. [...] Wie es aussieht, ermöglichen die Augenbewegungen - in gleicher Weise wie in Träumen - einen raschen Zugang zu allen Assoziationsbahnen, die mit der durch die Behandlung angesprochenen traumatischen Erinnerung verbunden sind.[...] Ich kenne nur wenige Dinge in der Medizin, die so eindrucksvoll sind wie EMDR in Aktion."

Interessant fand ich auch den Versuch zur Wirksamkeit von Akupunktur, der von Ulett, Han et al 1998 veröffentlicht wurde und der auf S. 143 beschrieben wird: "Wie mehrere Versuche gezeigt haben, kann ein Hase durch die Stimulation bestimmter Punkte auf der Pfote, die jenen für die Schmerzblockade beim Menschen entsprechen, "anästhesiert" werden. Noch überzeugender: Injiziert man einen Extrakt der Flüssigkeit, in der das Gehirn des "anästhesierten" Hasen schwimmt, einem anderen Hasen, so verspürt auch dieser keinen Schmerz mehr. Damit ist bewiesen, dass die Akupunktur, über jeden Placeboeffekt hinaus, zumindest die Sekretion von Substanzen durch das Gehirn einleitet, mit denen das Schmerzempfinden abgeblockt werden kann." Severin vertritt in seinem Buch ganz klar die Position, das Akupunktur unser emotionales Gehirn beeinflusst.

Weitere Punkte, die in Severins Buch ausführlich erläutert werden sind die heilende Wirkung von Licht (Severin empfiehlt, sich einen "Sonnenaufgangssimulator" als Wecker anzuschaffen) sowie die grosse Wichtigkeit der Omega-3-Fettsäuren auf die psychische Gesundheit.

Auch die Liebe als biologisches Bedürfnis wird in Kapitel 11 behandelt und Severin schreibt dazu auf S. 199ff: "Wir müssen mehr Rücksicht auf das Bedürfnis unseres emotionalen Gehirns nach Harmonie und Verbundenheit mit anderen nehmen.[..]Der emotionale Kontakt ist für Säugetiere ein biologisches Bedürfnis, genauso wie Nahrung und Sauerstoff. [...] Das System der Körperfunktionen ist bei den sozialen Säugetieren nicht autonom. In jedem Augenblick hängt die optimale Regulation von unseren Beziehungen zu anderen ab, vor allem zu den Menschen, die uns emotional nahe stehen. [..] Um unser körperliches Gleichgewicht zu erhalten, müssen wir lernen, unsere Beziehungen zu anderen so gut wie möglich zu gestalten." 

Sehr gut gefällt mir, wie Servan gegen Ende des Buches das Vorgehen zur Heilung bei chronischen Erkrankungen beschreibt: "Wie bei dem Fluss, dem man hilft, sich möglichst schnell selbst zu reinigen, müssen wir bei einer chronischen Erkrankung ein ganzes Programm einleiten, das das Problem von mehreren Seiten gleichzeitig anpackt und die unterschiedlichen Selbstheilungskräfte stärkt. Wir müssen eine Synergiewirkung zwischen den verschiedenen Interventionsarten erzeugen, die stärker ist als die Krankheit selbst. [..] Der erste Schritt ist zu lernen, wie man sein Innenleben kontrolliert. [...] Anschliessend sollte man, wenn möglich, klären, welche schmerzlichen Ereignisse in der Vergangenheit die schwierigen Gefühle in der Gegenwart auslösen. [...] ..unser emotionales Gehirn [...] braucht genau die drei Dinge vom Leben, zu denen der "Fremde" keinen Zugang hat: die sich in körperlichen Vorgängen ausdrückenden Emotionen; harmonische affektive Beziehungen zu den Menschen, die uns etwas bedeuten, und das Gefühl, unseren Platz in der Gemeinschaft zu haben." (S. 262-267)

Samstag, 19. September 2015

Spiegelneuronen überschätzt?

Ein sehr lesenswerter Artikel zu den Spiegelneuronen gibt's hier:

https://www.dasgehirn.info/denken/im-kopf-der-anderen/spieglein-spieglein-im-gehirn/

Fazit daraus: "Es wird immer deutlicher, dass das zwischenmenschliche Miteinander mehrere Systeme im Gehirn beansprucht. Den Spiegelneuronen kommt dabei möglicherweise die Aufgabe zu, eine Aktion zu erkennen und für Handlungsbereitschaft zu sorgen. Gilt es aber das Verhalten des Gegenübers inhaltlich nachzuvollziehen oder seine Emotionen mitzuempfinden, übernehmen andere neuronale Netzwerke."